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Technik am Retentionsbodenfilterbecken (RFB)

Vorwort:

Die nachfolgenden Informationen und Anmerkungen sind nur einen Ausschnitt und eine Teilansicht eines sehr komplexen Themas. Es ist auf keinen Fall eine abschließende technische Anleitung, sondern viel mehr aus der Sicht eines Lieferanten, der sich mit der Anzucht von Pflanzen und Vegeationssystemen für RFB´s beschäftigt. Eine Zusammenstellung von Erkenntnissen und Erfahrungen, die in vielen Gesprächen, Projektbearbeitungen, Ortsbegehungen und Meinungsaustausch mit entsprechenden Fachleuten in den vergangenen Jahren als "Sammlung" zusammengestellt wurden.

Wir über uns:

BGS Ingenieurbiologie und -ökologie GmbH Bestmann Green Systems ist Hersteller von Pflanzen, die in Erde oder in sogenannten erdfreien Anzuchtsystemen (Anzucht in Kokosfasern) produziert werden.
Neben Einzelpflanzen (Topfballen) werden auch Vegetationssysteme wie z.B. Schilfmatten/Röhrichtgewebe/Vegetationsstreifen (besetzt mit Schilf) hergestellt und vertrieben. Ebenfalls wird auf Wunsch auch beim Einbau/Bepflanzung beratend mitgewirkt oder der Einbau/Bepflanzung durch das BGS Fachpersonal durchgeführt.

Technik im Wandel:

Viele Ausschreibungen mit den entsprechenden Leistungsverzeichnissen (LV) vermitteln den Eindruck eines standardisierten gemeinsamen Standes der RFB-Technik - dem ist bei Weitem nicht so. Es gibt einige Planungsbüros die sicherlich federführend hier tätig sind und an denen sich andere Planungsbüros bei der Erstellung von Ausschreibungstexten orientieren. Zu beobachten ist jedoch, daß die ausschreibenden Stellen, daß entsprechende Know-How, was während der Bauausführung vorangegangene Bauvorhaben gesammelt wurde, in aktuelle neue LV-Texte einfließen lassen, dieses jedoch erst mit einem entsprechenden Zeitverzug bei anderen Ingenieurbüros als Änderung ankommt.Somit haben wir z. Zt. die Situation, daß es ganz verschiedene Ausschreibungstexte gibt, jeweils nach der "Kopiervorlage", die die ausschreibenden Stellen in die Hände bekommen haben. Sind manche ausschreibende Stellen von dem Einsatz von Schilfmatten überzeugt, andere Planungsbüros schreiben jedoch Schilfmatten aus. Auch bei der Pflanzdichte, (wieviel Schilfpflanzen pro m²), scheiden sich die Geister.Standard oder Produktorientierung:Selbstverständlich können viele Dinge beim Bau von RFB´s standardisiert werden, jedoch ist festzustellen, daß die individuellen Örtlichkeiten und die Rahmenbedingungen relativ häufig nicht genügend schon im Planungsstadium bzw. Ausschreibungstadium berücksichtigt werden.So hat es z.B. Probleme gegeben, weil von einem in der Nähe befindlichen Zementwerk mit entsprechenden versiegelten Flächen enorme Frachten an Zementstaub mit dem Oberflächenwasser (als Sedimentfracht) in das Becken, ohne jegliches Vorfiltersystem, eingetragen wurden.In einem anderen Fall wurde auf einer naheliegenden Baustelle eine Böschung im sogenannten Anspritzverfahren begrünt. Kurz nach Beendigung der Arbeiten kam es zu einem erheblichen Niederschlag, der einen Teil der "Verklebeflüssigkeit" dem Oberflächenwasser direkt in das frisch bepflanzte Retentionsfilterbecken eintrug.Dieses hatte eine "Verklebung/Verkleisterung" der Pflanzen bzw. der Pflanzflächen zur Folge. Die einzutragenden Wasserqualitäten in das Umfeld sind genauestens zu analysieren und ggf. mit entsprechenden technischen Einrichtungen zu würdigen. So wurde z.B. in einem weiteren Fall durch sehr starke Regenfälle in einem Klärwerk die Bypaßleitung dermaßen überfordert, daß es zu einem Direkteintrag des Klärwassers in das Retentionsfilterbecken geleitet wurde. Dieses hatte z.B. zur Folge, daß Damenbinden, Präservative u.ä. auf die Schilfpflanzung gespült wurden und zur entsprechenden Beeinträchtigung der Vegetation führten. Ein vorgeschalteter Rechen hätte hier von Anfang an eine sinnvolle Abhilfe schaffen können.Zusammenfassend kann man sagen, daß die vorgeschalteten filtrations-/klärtechnischen Bedingungen durchdacht werden müssen, um geeignete Rahmenbedingungen für die Vegetation zu schaffen.

 

Neu angelegter Retentionsbodenfilter
Neu angelegter Retentionsbodenfilter

 

Verfügbarkeit auf Knopfdruck?

Ein weiteres Problem ist das fehlende Verständnis für Vegetation. Es besteht noch häufig keine rechte Vorstellung über die Erfordernisse einer Vegetation. Häufig werden die Retentionsfilterbecken von Tiefbauunternehmen gebaut, die sich über die Wichtigkeit der Vegetation keine Gedanken oder zu spät Gedanken machen.Die Tiefbauunternehmen oder die beauftragten Subunternehmen, z.B. aus dem Garten- und Landschaftsbau, werden im letzten Moment erst aktiv, d.h. nach dem schon fast alles in vorgelagerten Bauabschnitten erledigt ist, weil man Zitat: " .... noch ein bißchen Schilf in die Becken haben muß...". Und hier fängt nun ein sehr ungünstiger Kreislauf an:Die Pflanzen bzw. Vegetationssysteme werden viel zu spät geordert bzw. sehr spät gepflanzt/eingebaut. Zu spät aus einem ganz einfachen Grund - dem Inbetriebnahmetermin.Die Faustregel sagt, daß man nach Pflanzung/Einbau der Vegetationssysteme dem ganzen Becken 1 Jahr Zeit lassen sollte, um sich wirklich zu etablieren. In dieser Zeit muß man sich jedoch um das Becken und die Pflanzen kümmern. Häufig wird der Fehler gemacht, dass direkt nach Bepflanzung das Becken in Betrieb genommen wird und nicht nur das, da sich dieses Becken auch noch selbst seinem Schicksal überlassen wird... .
Dann kommt es zu wundersamen Ortsterminen: Da man im Oktober eines Jahres gepflanzt, im November das Becken in Betrieb genommen hatte und im folgenden Frühjahr, möglichst noch im März, kurz nach der Schneeschmelze sich wundert, warum in den Becken kein 2 Meter hoher Schilfbestand zu erkennen ist. Hier werden fatale Fehler gemacht, die zu einer Kettenreaktion führen.

"Highlights" der Fehlerliste:

Nachfolgend einige weitere Fehler, die in den vergangenen Jahren von uns beobachtet werden konnten:Zunächst einmal sollte nach Fertigstellung des Beckens ein Dichtigkeits- und Anstautest gemacht werden. Es ist vorgekommen, daß nach der Bepflanzung ein Anstau noch gar nicht möglich war, da das Wasser durch eine defekte Dichtungsbahn nach unten ablaufen konnte, somit vertrocknete ein Großteil der Pflanzen bzw. wurde ein Teil der Pflanzen erheblich geschädigt.Ein weiterer Fehler ist die fehlende Regulierbarkeit von Becken. In einem Fall wurde ein unreguliertes Becken kurz nach Bepflanzung in Betrieb genommen. Schwere Regenfälle sorgten dafür, daß die Pflanzen total überstaut wurden, so daß es auch hier zu einer Schädigung an vitalen Pflanzen gekommen ist. Eine Abwandlung dieses Fehlers zu beobachten, von einem Becken mit Regulierungsmöglichkeit, jedoch wurde hier der Betrieb relativ unbeaufsichtigt durchgeführt, so daß, obwohl Regulierungsmöglichkeiten vorhanden waren, diese nicht genutzt wurden.Bei einigen technischen Vorgaben (im LV) werden bei der Bepflanzung Strohhäcksel und Jutegewebe zur Abdeckung vorgegeben. Die Standzeiten von Jute im aquatischen Bereich sind sehr begrenzt. Da der Sand kein besonders guter Untergrund zur Befestigung jeglicher Geotextilien ist und wenn auch noch der Wind aus der falschen Richtung kommt, kann diese Maßnahme dazu führen, dass alle Pflanzen herausgerissen werden, was zwangsläufig wiederum zu einer Schädigung des Pflanzengutes führt. Hier wurde die ursprünglich gute Idee, die Oberfläche des Bodenfilters vor Austrocknung zu schützen und somit auch den Pflanzen ein geeignetes Umfeld zu schaffen, genau in das Gegenteil gekehrt.Größe ist nicht alles.....Viele suchen nur ihr Heil, insbesondere wie oben beschrieben, durch falsches Timing und nahender Inbetriebnahme in großen Pflanzen. Nach wie vor ist man sehr ausgerichtet auf eine Pflanzenart: Phragmites australis/communis (Schilf). Wichtig ist, daß man wurzelaktive, junge und kräftige Pflanzen einsetzt. Hier muß man es nicht übertreiben, in dem man 1-2 m hohe Schilfpflanzen verwendet, sondern man braucht Pflanzen, die schnell und gezielt in den Sandfilter einwurzeln und diesen offenhalten. Dieses ist eine der Aufgaben der Schilfbepflanzung. Es gibt jedoch auch andere Pflanzen, die man zumindestens als Zupflanzung mit verwenden sollte. Zu nennen sind Phalaris arundinecea und Scirpus lacustris. Die Gefahr von Monokulturen und entsprechendem Krankheitsbefall sind ja hinlänglich bekannt, deswegen sollte man, was die Bepflanzungsschemata angeht, wenig "kreativer" werden. Diese Kreativität gilt auch für den optischen Bereich: Häufig werden diese Retentionsfilterbecken in Gewerbegebieten oder Neubaugebieten mittlerweile eingesetzt. Somit ist ein urbanes Umfeld vorhanden, welches ein Recht auf Gestaltung und Optik haben sollte!

Um mehr Informationen zu erhalten,Öffnet einen internen Link im aktuellen Fenster fordern Sie unsere Inforschrift Nr. 45 an. Mehr Details über das Thema erhalten Sie auch unter Öffnet einen externen Link in einem neuen Fensterwww.retentionsbodenfilter.de